Iran-Reise 5.-16. Mai 2016

Autor: Helmut Zimmermann

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Das war eine Reise in ein für uns geheimnisvolles Land: Persien, das seit 1935 „Iran” heißt. Zu deutsch: „Land der Arier”. Persisch ist eine indogermanische Sprache, also mit den germanischen Sprachen schon verwandt. Iran hat 80 Millionen Einwohner, ist aber von der Fläche her fünfmal so groß wie Deutschland. Die Reisegruppe waren 22 Personen, jung und alt gemischt, die sich auf die von Prof. Dr. Max Linke, emeritierter Professor für Geografie an der Halleschen Martin-Luther-Universität, vorbereiteten Reise begab. Schon zum dritten Mal hatte Prof. Linke eine Studienreise unter dem Titel der Ortssektion Leipzig/Halle der Deutschen Gesellschaft für Kartographie in den Iran organisiert und bestens vorbereitet. Begleitet wurden wir auf der Fahrt auch von Frau Uti, einer Ägypterin, die in Kairo ein Reisebüro betreibt (mit Dependance in Deutschland) und die die Reise logistisch vorbereitet hatte. Die Reisegruppe traf sich am 5. Mai auf dem Hamburger Flughafen. Geflogen wurde mit Iran-Air, da bisher keine westliche Fluglinie das noch von den Embargobeschränkungen belastete Land anfliegt. Flugzeit: 5 1/2 Stunden, Zeitunterschied: 2 1/2 Stunden.

In Teheran empfing uns am Flughafen unser junger Tourguide Hazem mit Bus. Und wir sahen zum ersten Mal das ungewohnte Bild der kopftuchtragenden Frauen, das uns nun 12 Tage lang begleiteten sollte. Das Tragen des Kopftuches ist im Lande gesetzlich vorgeschrieben, obwohl das nicht im Koran enthalten ist. Nichtbefolgung wird mit Arrestierung und Geldstrafe geahndet. Auch alle Touristinnen müssen es tragen. Für konservative Muslime ist es „Ausdruck von Bescheidenheit und Anstand, Schutz der persönlichen Würde und darüber hinaus Merkmal der islamischen Selbstfindung im Kampf gegen kulturelle &Üuml;berfremdung”(Lexikon Arabische Welt). Moderne junge Frauen tragen bunte Tücher aber selbstbewusst lässig, „Halbtuch” wird das bezeichnet, wenn die Haare oberhalb der Stirn zu sehen sind.

Vom 60 km südlich von Teheran gelegenen Airport Immam Khomeini aus ging es in die 13 Millionen-Metropole (Großraum) vorbei am beleuchteten Mausoleum des Staatsgründers, der hier 1989 beigesetzt wurde. Unser 5-Sterne-Hotel „Laleh” wurde in der Pahlevi-Schah-Zeit errichtet. Am Folgetag ging es auf Stadtrundfahrt und -gang mit Besuchen im Golestanpalast, dem prächtigen Stadtpalast der Qadjaren-Schahs aus dem Anfang des 19.Jhd. (mit einer Nachbildung des berühmten Pfauenthrons). Besuch im Nationalmuseum, in dem Zeugnisse aus der reichen Geschichte Persiens präsentiert werden: aus der Zeit der Meder (600 v.Chr.), der Achämeniden (Darius, Xerxes), der Parther (250 v.Chr.), der Sasaniden, die schließlich 650 n.Chr. von den muslimischen Arabern erobert wurden. Damit begann eine neue Zeitrechnung. Das alte Perserreich reichte einst vom Bosporus bis nach Indien und wurde 330 v.Chr. durch Alexander d.Gr. zerschlagen. „In dieser Zeit saßen unsere germanischen Vorfahren noch auf Bärenfellen in ihren Höhlen!” Später ging es zum Bergausflug in den Norden der Stadt, wo bei angenehmeren Sommertemperaturen die Schönen und Reichen wohnen. überall wird kräftig gebaut. Der Norden liegt am Fuße des Berges Tochal (3957 m). Der Fußweg führte uns zur Talstation der Seilbahn inmitten des beliebten Ausflugsgebietes der Stadt, dann mit einem Sessellift bis 2800m Höhe bei Nieselregen und kühlen Temperaturen. Das Alborz-Gebirge bildet eine gewaltige Klima- und Wasserscheide zwischen dem subtropischen Tiefland am Kaspischen Meer im Norden und dem trocken-heißen iranischen Hochland im Süden. Durch Prof. Linke bekamen wir hier, wie an vielen anderen Orten, die jeweilige geografische Situation erläutert. Höchster Berg des Alborz ist mit 5671m der Damavand, ein Eldorado für Bergsteiger und Wintersport.

Am nächsten Tag ging es über 340 km auf guten Autobahnen durch Halbwüsten mit Oasen nach Hamadan, Distrikthauptstadt mit 400 000 Einwohnern. Hier besuchten wir die Ausgrabungsstätte einer Stadt aus dem 6. Jhd. v.Chr. Französische Archäologen haben hier gegraben. Im Gelände konnten wir uns über eine Mädchenschulklasse auf Klassenausflug freuen, die uns begeistert begrüßte und bestaunte. Von den Blumenrabatten pflückten sie Stiefmütterchen um sie uns zu schenken. Hierher kommen sicher wenig Touristen, auch im Hotel waren wir die einzigen. Die Parks und Straßen waren aber voll von jungen Leuten, von denen wir immer wieder mit „welcome” und „You come from where?” begrüßt werden. Als Alemani werden wir überall freundlich aufgenommen. Nach unserem Guide Hazem sind die Deutschen im Iran sehr beliebt, anders als die Briten mit ihrer kolonialen Vergangenheit und die Amerikaner mit ihren „Kriegsabenteuern” im Nahen Osten. Hamadan ist auch ein jüdischer Pilgerort: die biblische Esther (Frau des Perserkönigs Xerxes )liegt hier begraben. Die Juden verbindet mit Persien eine lange gemeinsame Geschichte. Kyros der Große veranlasste die Heimkehr der Juden nach der babylonischen Gefangenschaft. Etwa 22 000 Juden leben heute im Iran, die angeblich nicht diskriminiert werden. Nur der Staat Israel und seine Politik ist der Feind Nr.1.

8.Mai: Abfahrt in Richtung Südosten bei 13°C und Nieselregen.. Bis Isfahan sind es 530 km. Während der langen Busfahrten gab es von Hazem immer wieder Informationen über die verschiedensten Themen das Land betreffend: Geschichte des Landes, Bevölkerung, Staatsaufbau, Religion, Bildungswesen, Stellung der Frauen...Hazem erwies sich als gut informierter und auskunftsbereiter Kenner seines Heimatlandes. Er hat seine Kindheit in Deutschland verbracht, nachdem die Eltern vor dem Schah-Regime geflohen waren. Nach der „islamischen Revolution” von 1979 kehrte die Familie ins Land zurück. Gerade hatte er in Bremen ein Semester Tourismusmanagement studiert. Wir erlebten ihn als vielseitiges Organisationstalent.

Frauen- und Maennergruppen an einer Bruecke in Isfahan Jung und Alt an einer der Brücken in Isfahan — Männergruppen und Frauengruppen streng getrennt (Foto: H. Zimmermann)

Toilettenstopps während der Busfahrt fanden immer bei Moscheen statt. Diese sind immer mit Toiletten ausgestattet, natürlich mit Stehtoiletten. Nur in einem Fall fanden wir einen Rollwagen mit Sitztoilette, den man über dem Loch platzieren konnte. Endlich erreichten wir Isfahan. „Wer nach langer Anreise über das karge und staubige Hochland die in 1575 m Höhe gelegene Oase von Isfahan erreicht hat, fühlt sich wie im Paradies.” Nach dem Einchecken führte uns Hazem an den Zayandeh-Fluss, der Lebensader der Stadt, nach Niederschlägen mit starker Wasserführung. Nach 120 km mündet er in einem abflusslosen Salzsee in der Wüste. Drei historische Brücken aus dem 17. Jahrhundert führen über den Fluss: gepflegte Parkanlagen an beiden Ufern mit tausenden Besuchern, meist in Gruppen nach Frauen und Männern getrennt. Immer wieder wurden wir willkommen geheißen. Ich fragte eine Frauengruppe beim Parkpicknick ob ich sie fotografieren darf: da sortierten sie sich lachend für die Aufnahme und boten uns Melonen an.

Bruecke mit dreiunddreißig Boegen in Isfahan Die 33-Bogen-Brücke in Isfahan (Foto: H. Zimmermann)

Unser Hotel lag am baumbestandenen Boulevard im Stadtzentrum. Isfahan ist eine wunderschöne orientalische Stadt mit herrlichen Parkanlagen, breiten Boulevards. Am nächsten Tag lernten wir sie näher kennen: der Meydan e Imam, der Große Platz hat Ausmaße von 500m x 160m. Hier liegen der Königspalast, die Große Moschee, der Bazar, Wasserspiele auf dem Platz, reges Leben am Tag und in der Nacht. Hazem half uns bei den Einkäufen im Bazar. Kaffeetrinken in einer der grünen Oasen des Bazars. Am Nachmittag besuchten wir im Armenierviertel eine armenische Kirche und das angeschlossene Museum. Dem Direktor übergab Prof. Linke als Geschenk von uns einen antiquarischen Band „Deutschland und Armenien 1914–1918 — Sammlung diplomatischer Aktenstücke, herausgegeben von Dr. Johannes Lepsius”. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes hatte Lepsius nach dem Krieg seinen erfolglosen Kampf um die Information der Reichsregierung über den Genozid des osmanischen Verbündeten an den türkischen Armeniern in diesem Buch dargestellt. Ich übergab ihm ein Foto der Potsdamer Gedenkstätte für Lepsius und seinen Kampf, das ich vor unserer Abreise aufgenommen hatte. In einer Vitrine waren Zeugnisse des „Armenian Holocaust” ausgestellt, auch Fahnen all der Länder, die den Genozid als Völkermord anerkannt haben. Die deutsche Flagge war noch nicht darunter. 80 000 Armenier leben heute noch im Vielvölkerstaat Iran. Andere Minderheiten sind Kurden, Araber, Türken Balutschen ... die alle relativ friedlich in einem Staat zusammenleben, in dem die Perser mit 50% Anteil die Mehrheit sind. Um das zu respektieren wurde 1935 Persien in „Iran” umbenannt.

Am 10. Mai erreichten wir nach 440 km Autobahn-Fahrt durch Halbwüsten und Wadis mit grüner Vegetation und Feldbau die Hauptstadt der Provinz Fars Shiraz (1,5 Mio. Einwohner). Auch sie liegt in 1540 m Höhe und ist neben Isfahan eine der sehenswertesten Städte des Landes. Nach einem Telefonat von Hazem fuhren wir gleich zum Mausoleum von Shah Cheraq. Hier befindet sich der Heilige Schrein eines Bruders des 8. Imams, der 835 verstarb. Im 15. Jhd. wurde der Grabbau errichtet. Frauen finden hier nur mit Chador, der Kopf und Körper bedeckt, Einlass. Den kann man an der Pforte ausleihen und so staunten wir nicht schlecht, als wir unserer weiblichen Mitreisenden nach Verkleidung ansichtig wurden. Auch hier getrennte Eingänge und getrennte Räumlichkeiten für Frauen und Männer, der Sarkophag in der Mitte. Aber mein Kameraklick über die Mauer auf die huschenden Frauengestalten wurde vom Führer nur mit Lachen quittiert. In den riesigen Sälen sind Wände und Decken mit versilberter Ornamentik mit Spiegelwirkung verkleidet. Das Licht der Leuchter erzeugt gebrochen durch die Spiegelelemente eine Lichtfülle, der man sich kaum entziehen kann. „Schah des Lichts” bedeutet der Name dieses Heiligen Grabes. Wieder wollen sich viele Leute mit uns fotografieren lassen.
Wir übernachteten im ziemlich neuen 5-Sterne-Hotel „Zandiveh”, alles sehr prächtig.

Am nächsten Tag ging es nach Persepolis, „Stadt der Perser”, der großen Palastanlage der achämenidischen Herrscher. Darius ließ sie ab 515 v.Chr. bauen. Auch seine Nachfolger Xerxes und Artaxerxes regierten von hier aus. Von den Soldaten Alexander des Großen wurde sie 332 v.Chr. zerstört. In den 1920er Jahren wurde die Stadt von deutschen Archäologen ausgegraben. In Darstellungen auf den Kalksteinwänden wird die Huldigung der Perserkaiser durch die Abgesandten der Völker seines Reiches dokumentiert. Wenige Kilometer entfernt besuchten wir die Felsengräber der Herrscher von Persepolis, die in senkrechte Sandsteinwände hineingebaut wurden.

Ruinen von Persepolis um vierhundert vor Christus Ruinen von Persepolis — Hauptstadt des Perserreiches um 400 v. Chr. (Foto: H. Zimmermann)

Am Abend überraschte uns Hazem in der Hotellobby mit einem Solokonzert eines Freundes auf einem alten persischen Zupfinstrument (der Tanbur). Er spielte und sang Lieder der Völkerschaften des Landes. Wir durften uns die Völker wünschen. Neben dem Künstler saß seine Schwester mit etwas traurigem Gesicht. Sie ist selbst Sängerin, aber in einem öffentlichen Raum ist Sologesang für Frauen verboten. Was würde passieren, wenn eine unserer Frauen hier ein Volkslied anstimmt?, fragte ich Hazem. „Dann bekommt der Hotelmanager mächtigen ärger”- seine Antwort. Ich schenkte dem Musiker am Ende eine CD mit Barockmusik, gespielt auf unserer Langenbogener Orgel. Besuchsstationen am Folgetag waren der Bazar, eine Privatmoschee von 1900 mit großartigen farbigen Fenstern und Fliesenornamenten und der botanische Garten von Shiraz. Zusammen mit 5 weiteren persischen Gärten steht er auf der Welterbeliste der UNESCO.
Im Bazar freuten wir uns über den Besuch eines alten persischen Badehauses, Hamam, das mit lebensgroßen Figuren die Einrichtung und Nutzung eines Badehauses illustriert. Da zieht der Bader einem Patienten einen Zahn. Andere „Gäste” werden durchgeknetet oder zur Ader gelassen. Am Abend folgte noch der Besuch an den Gräbern der persischen Dichterheroen Hafis und Sadi. Hafis, 1389 in Shiraz gestorben, ist die Ikone der persischen Dichtung. In jedem Haushalt gibt es neben dem Koran einen Band mit Hafis-Gedichten. Auch auf unserem Hotelnachttisch waren sie zu finden. 1819 ließ sich Goethe von Hafis zu seinem „West-östlichen Diwan” inspirieren. Am Grab von Hafis herrschte Gedränge. Viele Iraner sprachen die Verse mit, die Hazem uns zitierte, auf persisch und deutsch. Um das Grab gab es wieder eine schöne Parkanlage mit Hunderten von Besuchern.

580 km lang war am 13. Mai die nächste Fahrstrecke von Shiraz nach Kerman. Unterwegs Stopp bei einem Gewürzhändler an der Straße: riesige Berge von Pistazien, Feigen, Rosinen. Der Händler hatte guten Umsatz mit uns. Auch Safran wurde gekauft. In alter Zeit war der Wein von Shiraz berühmt. Da der Islam Alkoholgenuss verbietet, gibt es im ganzen Lande weder Wein noch anderes Alkoholisches zu trinken. Besonders streng wird das seit 1979 geahndet. Auch in unseren Hotels gab es nur alkoholfreies Bier zu trinken, das aber dann als „Bavaria” gekennzeichnet. Die lange Busfahrt gab Hazem wieder Gelegenheit über sein Land zu erzählen und zahlreiche Fragen zu beantworten. Zudem war er unsere Wechselstelle. Um Zeit zu sparen hatte er Wechselgeld in 100-Euro-Chargen gepackt mitgebracht. Für kurze Zeit waren wir alle mehrfache Millionäre: für 100 Euro gab es 3,4 Millionen Rial, der iranische Währung. Für eine Tasse Kaffee musste man schon mal 50 000 Rial hinlegen. Auf Münzen trafen wir niemals, für Sammlerin Enkelin Luise bekamen wir ein paar von der Hotelrezeption geschenkt. Geld anlegen in Iran würde sich vielleicht lohnen: es gibt 18 % Zinsen. Allerdings liegt die Inflation bei 17 %. Unser Umtauschgeld in Euro mussten wir mitbringen. Auf Grund des westlichen Embargos über den ehem. „Schurkenstaat” gibt es keinerlei Finanzbeziehungen mit westlichen Banken. Visa-Card nützte uns nichts, aber an manchem Basarstand hätte man in vorauseilender Hoffnung schon mal mit Visa-Card bezahlen können.

Nicht ausweichen konnte man den riesigen Abbildungen der beiden bärtigen Männer: Ayatollah Khomeini, der Revolutionsführer von 1979, und Ayatollah Khamenei, sein Nachfolger. Er ist heute als oberster Rechtsgelehrter der „Führer”, der nicht gewählt wurde, sondern seine Abstammung direkt auf den Propheten beziehen kann. Ebenfalls nicht gewählt sind Wächterrat und Expertenrat, die darüber zu wachen haben, dass jedes vom gewählten Parlament beschlossene Gesetz und jedes Handeln des gewählten Präsidenten „islamtauglich” ist. Der Auslegung ist hier sicher Tür und Tor geöffnet. Während die „Führung” streng konservativ ist, wurde von den Wählern ein mehrheitlich reformfreundliches Parlament gewählt. Immerhin: der in den Nachbarländern sich ausbreitende „Islamische Staat” hat im Iran kein Betätigungsfeld. Das Land ist seit 1979 per Definition die „Islamische Republik Iran”. Ebenfalls kein Mangel war auf Straßen und Plätzen an Bildern der „Märtyrer”. So bezeichnet man die toten Soldaten des Krieges von 1980 bis 1988. Das von den USA aufgerüstete Nachbarland Irak des Saddam Hussein wollte sich die Region mit den reichen ölquellen am Persischen Golf einverleiben. 1 Million Tote kostete dieser Krieg, der in Europa nur am Rande bemerkt wurde („wenn hinten weit in der Türkei die Völker aufeinander schlagen” Goethe: Faust). Märtyrerbilder gibt es sogar als Sammelbilder wie bei uns die der EM-Fußballspieler.

Unsere Mittagspausen unterwegs erfolgten immer als Picknick im Grünen. Hazem und die beiden Fahrer hatten dann davor eingekauft: Fladenbrote, Schafskäse, Thunfisch, Melonen, Oliven. Beim Picknick neben einer iranischen Großfamilie wurde auch mal freundlich ausgetauscht.
Unsere letzte Reisestation ist die östliche Provinzhauptstadt Kerman. Infolge der anhaltenden Landflucht in die Städte und der immer noch relativ hohen Geburtenrate wächst die Stadt (heute 600 000 Einwohner). überall wird gebaut, bewegen sich Kräne. Von hier bis an die afghanische Grenze sind es nur noch 400 km. Dazwischen liegt die Wüste Lut, in der die Flüsse aus den Gebirgen der Umgebung im Sand versickern.

Sand und Felsen in der Wueste Lut In der Wüste Lut (Foto: H. Zimmermann)

180 km weiter südlich von Kerman liegt die Stadt Bam, die 2003 durch ein katastrophales Erdbeben weitgehend zerstört wurde (30 000 Todesopfer dieses Bebens). Wir machten einen Busausflug in die Wüste Lut. Nach der Oase Shadat wird die Vegetation immer spärlicher. Schließlich erheben sich links und rechts der schmalen Straße nur noch die sogen. „Kalouts”, durch Wasser und Wind bizarr geformte Felsformationen. Hier wurde eine Pause eingelegt, die alle zu Wanderungen durch den Wüstenlöß zwischen den Kalouts nutzten. Unser Bus versuchte inzwischen zu wenden. Dabei geriet er mit den Hinterrädern in den Wüstensand. Aus eigener Kraft, trotz Verstärkung durch die männlichen Reisenden, gab es kein Hinauskommen. Dazu gab es kein Abschleppseil im Bus. Um keine Panik bei 35°C Außentemperatur aufkommen zu lassen, ließ Hazem alle im Bus Platz nehmen, zog die Vorhänge zu und legte eine DVD ein. Nach seinem Anruf beim „Roten Halbmond” kam nach 2 Stunden Hilfe in Form einer Abschleppkette. Ein vorbeifahrender Lkw konnte den Bus dann aus dem Sand ziehen. Erleichterung war allen anzusehen, als es endlich geschafft war. Auf der Rückfahrt nach Kerman besuchen wir noch in Mahan den Prinzengarten, eine wunderschöne Parkanlage, die von einem aus den nahen Bergen kommenden Wasserlauf in Kaskaden durchflossen wird: fast wie ein kleines Kassel-Wilhelmshöhe. Im Schatten des Teehauses kredenzte uns Hazem Granatapfelsaft. Zwei zeichnende Architekturstudentinnen zeigten uns lachend ihre Skizzenblöcke. Am Parkausgang trafen wir auf einen alten Mann, der Stephan Orths Bestseller „Couchsurving im Iran” in den Händen hielt, das uns Enkel Jacob zu Weihnachten geschenkt hatte. Der Autor war mit dem Alten in die Wüste gefahren und hatte ihn als Double von Armin Mueller-Stahl in seinem Buch abgebildet. Ich hatte das Buch bei mir und ließ ihn auf seinem Foto im Buch signieren — in persisch mit arabischen Schriftzeichen.

Am nächsten Tag ging es per Flug von Kerman zurück nach Teheran: Abschiedsessen im Hotel „Laleh” mit Danksagungen an die Organisatoren dieser hochinteressanten Reise, Prof. Linke, Frau Uti und auch unseren unermüdlichen Tourguide Hazem. Wecken in der Nacht um 2.00 Uhr, Fahrt zum Flughafen, Abschied von Hazem vor dem Einchecken. Nach 5 1/2 Flugzeit landeten wir in Frankfurt/M. Unser Heimatland hatte uns wieder.
Es war eine Reise in ein uns vorher weithin unbekanntes Land. Jedem, dem wir vorher von unserem Reiseziel erzählt hatten, hatte uns mit ernster Miene gewarnt. Noch die Passkontrolle in Hamburg hatte gefragt: „Was wollen Sie in aller Welt in Teheran?”. Zitat unseres „Know How”.-Reiseführers:
„Obwohl Ausländer von Iranern mit offenen Armen empfangen werden, geistert durch westliche Medien das Bild eines abgeschotteten, radikal-islamischen Iran. Dies entspricht in keiner Weise den Realitäten des Landes”. So haben wir es auch empfunden. Im Lande gibt es keinen Terrorismus und keine Attentate — im Unterschied zu den Nachbarländern südlich des Golfs.
Wenn man erwartet, dass alles so ist wie zuhause, dann sollte man besser nicht hinfahren. Das Land ist eine theokratische Diktatur mit ihren Gesetzen, an die man sich halten muss, ob sie einem gefallen oder nicht.

Helmut Zimmermann
Im Juni 2016

Die Iran-Exkursion der Sektion Halle/Leipzig im März 2014

Autor: Prof. Dr. Max Linke

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Bericht über die Marokko-Exkursion der DGfK-Sektion
Halle-Leipzig mit Prof. Dr. Max Linke 2.-17. Februar 2013

Autor: Helmut Zimmermann

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Bericht über die Sektionsexkursion 2010 nach Ägypten
(Prof. Linke, Weißenfels)

Autor: Achim Hoppe
verkürzt veröffentlicht in KN 5/2010

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